Anna Politkowskaja

vor ihrer Moskauer Wohnung am 6.10.2006 umgebracht, weil sie Enthüllungs- und Aufklärungsjournalismus betrieb, und dazu die herrschende Politik (Putin, Tschetschenien-Krieg) kritisierte. Sie hatte Angst ermordet zu werden, aber sie ging ihren Weg, vom Gewissen geleitet.


Artikel der Frankfurter Allgemeinen vom 26.09.2003

Anna Politkowskaja

„Politische Ausladung" bei der Frankfurter Buchmesse

Russische Journalistin spricht von "Schande".


26. September 2003

Die russische Journalistin Anna Politkowskaja wirft der Frankfurter Buchmesse vor, sie aus politischen Gründen von einer geplanten Podiumsdiskussion über Tschetschenien ausgeladen zu haben.

Wie die Osloer Zeitung „Aftenposten" von der norwegischen Buchmesse in Stavanger berichtete, bezeichnete Politkowskaja dort die Ausladung als „Schande für Frankfurt und Europa". Die 1958 geborene Journalistin gilt seit Jahren als Russlands kritischste Stimme zur Moskauer Kriegführung in Tschetschenien.

 

Keine Debatte?

Politkowskaja gab in Stavanger an, sie sei vor mehreren Monaten nach zu einer Diskussion auf der Buchmesse (8. bis 13. Oktober) eingeladen worden, die in diesem Jahr Russland als Schwerpunkt hat. Über den weiteren Hergang sagte die Journalistin in „Aftenposten": „Vor einem Monat bekam ich eine Mail von den Arrangeuren, daß es ein Problem mit der Podiumsdiskussion gebe. Das Problem bestand darin, daß Präsident Wladimir Putin die Buchmesse besuchen wollte. Aber die russischen Behörden meinten, daß sie mich da nicht haben wollten, wenn Putin kommen sollte. Und so bekam ich am letzten Wochenende die Mitteilung, daß es keine Tschetschenien-Debatte geben werde."

Der Suhrkamp Verlag und die Buchmesse haben den Vorwurf scharf zurückgewiesen. Eine Verlagssprecherin sagte am Freitag, daß die Teilnahme der Autorin bei einer Podiumsdiskussion am 11. Oktober über Tschetschenien wegen der Reisekosten unklar gewesen sei. Eine norwegische Stiftung habe sich jedoch inzwischen bereit erklärt, die Kosten dafür zu übernehmen. „Es gibt absolut keinen politischen Hintergrund", sagte eine Suhrkamp-Sprecherin. Der Verlag veranstaltet die Diskussion auf der Messe zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung.

 

Kosten nur für eigene Autoren

Politkowskaja („Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg") sei zu der Diskussion unter der Annahme eingeladen worden, daß sie ohnehin die Buchmesse besuche. Der Suhrkamp-Verlag übernehme bei der Messe nur die Kosten für eigene Autoren, so die Sprecherin. Die Journalistin, die seit Jahren als Russlands kritischste Stimme zur Moskauer Kriegführung in Tschetschenien gilt, wird in Deutschland von DuMont in Köln verlegt.

Nach Angaben der norwegischen Zeitung „Aftenposten" hatte sie der Buchmesse vorgeworfen, sie aus „politischen Gründen" ausgeladen zu haben. Sie habe von „Arrangeuren" der Buchmesse vor einem Monat die Nachricht erhalten, die russischen Behörden hätten sich gegen ihren Besuch ausgesprochen, da Präsident Wladimir Putin einen Besuch der Messe erwogen habe. Buchmessen-Sprecher Holger Ehling bezichtigte die Autorin der „Lüge". Sie habe nie eine offizielle Einladung von der Messe selbst erhalten. Es gehe ihr wohl darum, sich interessant zu machen.

„Aftenposten", Norwegens führende konservative Zeitung, meinte in einem am Freitag veröffentlichten Leitartikel, die Erklärungen der Buchmesse zum Hergang seien „wenig glaubwürdig". Sie schrieb weiter: „Wenn die wirkliche Ursache in offiziellem russischem Druck liegt, weil Präsident Putin die Buchmesse besuchen wollte, wäre das bedauerlich und verwerflich."


Typisch deutsch, geheuchelt und verlogen;

Anna Politkowskaja wird gerne aus der Schublade gekramt, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in Russland aus politischen Gründen geht, und man nach einem Druckmittel sucht, weil man etwas erreichen will. In Deutschland wird aber letztlich nicht viel anders verfahren mit kritischen Berichterstattern, als wie in Russland.

Hätten wir überdies hier nicht die unabhängige Norwegische Presse gehabt, die deutsche Presse hätte diesen Vorfall unter dem Teppich gehalten. Ausserdem wäre Politkowskaja wegen angeblicher Beleidigungen und Verleumdungen abgeurteilt worden, wäre sie deutsche Staatsbürgerin gewesen.


Siehe auch u.a. http://fm4.orf.at/connected/215299